0:05

Jetzt möchte ich inhaltlich überleiten zum heutigen

0:08

Abend. Ich begrüsse ganz herzlich Gabriela Steiner.

0:12

Gabriela Steiner ist Pflegefachfrau,

0:15

sie arbeitet im Bereich der Palliative Care.

0:19

Und nachdem wir die letzten beiden

0:22

Veranstaltungen dazu gehabt haben: was bedeutet Sterben

0:26

für die Sterbenden?

0:28

Womit beschäftigen sich Sterbende,

0:32

und was bedeutet es für die Angehörigen,

0:35

kommen wir heute quasi zur Verschränkung

0:38

der Perspektiven.

0:41

Sterbende zu begleiten heisst häufig auch Angehörige

0:44

zu begleiten. Und Frau Steiner wird uns

0:48

aus der Sterbebegleitung sozusagen praktisch sagen

0:52

worum es geht. Welches die Themen sind.

0:56

Was wichtig ist daraus. Ich freue mich sehr, dass Sie da sind.

1:00

Frau Steiner wird etwa eine halbe Stunde einen Vortrag halten,

1:06

und nachher nochmals etwa eine halbe Stunde für Fragen zur Verfügung stehen.

1:12

Bitte stellen Sie Ihre Fragen. Sie sind interessant, wir freuen uns darüber,

1:18

wenn Sie das, was Sie interessiert, auch zum Thema gemacht wird,

1:22

so dass Sie von diesen Veranstaltungen auch profitieren können.

1:27

Ich freue mich sehr und würde jetzt gerne das

1:29

Wort Gabriela Steine übergeben und bin gespannt,

1:32

was sie uns zu berichten hat.

1:34

Dankeschön.

1:38

Ja,

1:39

guten Abend alle hier im Saal, und guten Abend alle zu Hause am Bildschirm.

1:46

Sie haben die Frage bereits gelesen. Ich habe zwei Fragen bekommen:

1:51

Wie kann ich einen sterbenden Menschen begleiten?

1:54

Wie kann ich seine Angehörigen unterstützen?

2:00

Die Herausforderung war für mich,

2:03

den Vortrag immer wieder zu kürzen und ein bisschen zusammenzufassen.

2:08

Und dennoch muss sich ein bisschen ausholen und kann nicht nur von der Sterbephase,

2:14

von der terminalen Phase sprechen.

2:19

Ja.

2:24

Leben bis zuletzt und in Frieden sterben. Alle reden vom Palliative Care.

2:35

Die wichtige Grundhaltung,

2:38

die mir wichtig ist bei meiner Arbeit,

2:40

ist die Menschenwürde. Das bedeutet, dass jeder Mensch wertvoll ist,

2:46

weil er ein Mensch ist.

2:48

Und Menschenwürde betont den gleichen Wert aller Menschen,

2:52

ob sie gesund sind oder krank,

2:56

welche Hautfarbe, Religion, etcetera.

3:00

Würde ist nichts was ein Mensch gewinnen oder verlieren kann.

3:09

Der Mensch hat ein Recht keiner unwürdigen Situation ausgesetzt zu sein.

3:16

Das heisst, die Art der Behandlung darf keinesfalls bewirken,

3:21

dass ein Mensch sich selber für wertlos hält oder sich selber verachtet.

3:30

Beim Menschen mit einer demenziellen Erkrankung muss die Menschenwürde

3:35

geschützt werden.

3:36

Seine geschriebenen oder geäusserten Interessen

3:40

müssen vertreten haben.

3:43

Das Wohlbefinden des unheilbar kranken Menschen und seiner

3:48

An- und Zugehörigen steht immer im Mittelpunkt.

3:56

Ja, wann beginnt Palliative Care?

4:00

Palliative Care kann mit der Diagnose einer unheilbaren Krankheit beginnen.

4:07

Jeder Mensch bestimmt aber selber, wann er welche Hilfe braucht.

4:13

Manche brauchen auch gar keine.

4:17

70 Prozent der kranken Menschen,

4:20

bekommen ihre Diagnose vom Hausarzt.

4:24

Dieser kennt seine Patienten oft über viele Jahre

4:28

und ist die Ansprech- und Vertrauensperson.

4:33

Viele Betroffene machen sich frühzeitig Gedanken rund um ihre Erkrankung,

4:40

um ihre Lebenssituation und um die Zukunft von ihnen und ihren nächsten Angehörigen.

4:52

Hier habe ich ihnen eine Folie,

4:55

wie man belastende Symptome erfassen kann.

5:00

Die meisten Menschen

5:02

ah nein, Bedeutung in der Praxis.

5:06

Zuerst Bedeutung in der Praxis.

5:09

Es geht nicht um das Ankämpfen gegen eine unaufhaltsame Krankheit,

5:14

sondern es geht um das Erfassen und die Behandlung von belastenden

5:20

körperlichen Symptomen

5:24

und Beschwerden.

5:26

Es geht um die Linderung psychischen Leidens, zum Beispiel depressive Zustände,

5:33

oder Ängste.

5:35

Und es geht um die Unterstützung sozialer Beziehungen,

5:40

Einsamkeit, familiäre Konflikte zum Beispiel.

5:44

Es geht um die Unterstützung des Patienten,

5:48

seinen persönlichen Glauben zu leben.

5:51

Und

5:52

um die spirituelle Dimension,

5:55

was ist wesentlich und sinnstiftend ihm Erleben der Krankheit.

6:05

Jetzt kommt die Folie.

6:07

Das ist so ein Erfassungspapier.

6:10

Das kennen sicher alle,

6:13

vor allem

6:14

im Zusammenhang mit dem Schmerz.

6:18

Da fragt man,

6:20

wenn null gar kein Schmerz ist,

6:23

und zehn, das Maximum, das sie ertragen.

6:26

Dann ist

6:27

eine Zahl dazwischen.

6:30

Und das kann man mit verschiedenen Symptomen, die einen Menschen,

6:36

einen sterbenden Menschen

6:38

belasten, kann

6:40

man das fragen.

6:43

Der schwer kranke Mensch,

6:45

Der unheilbar kranke Mensch, kann manchmal dieses Blatt ausfüllen,

6:49

dann gibt es so ein Muster,

6:51

was ist sehr belastend für ihn,

6:55

oder sie.

6:56

Manchmal füllen die Angehörigen zusammen mit dem

7:01

schwer kranken Menschen ein Blatt aus.

7:04

Ich habe das am

7:06

Anfang meiner Tätigkeit

7:08

immer wieder gebracht.

7:10

Mittlerweile mache ich das bisschen einfacher.

7:18

Der runde Tisch. Der runde Tisch wird immer einberufen in einer Krise.

7:26

Manchmal ist ein runder Tisch gefordert,

7:28

in einer Rehabilitationsstation oder auf einer Spital-

7:34

Abteilung.

7:37

Dann geht es immer darum, ist es möglich,

7:40

dass der schwer kranke, sterbende Mensch überhaupt nach Hause darf.

7:49

Manchmal ist der Runde Tisch vom Hausarzt einberufen, und er findet

7:54

am Ort, wo sich der schwer kranke Mensch aufhält

7:58

statt.

8:01

Die Gespräche sollen immer offen geführt werden.

8:06

Der kranke Mensch

8:07

versteht oder hört,

8:09

das, was er braucht oder will.

8:14

Der zu betreuende Mensch,

8:15

seine Angehörigen und das Betreuungsteam besprechen

8:20

die momentane Situation und das weitere Vorgehen.

8:25

Menschen in palliativen Situationen und ihre Angehörigen brauchen Sicherheit.

8:33

In die Zukunft blicken,

8:35

Fragen klären, was in Krisen zu tun ist,

8:40

das muss besprochen werden.

8:43

Es ist auch entscheidend, wer macht was, mit welcher Kompetenz.

8:50

Wer hilft wann und wie?

8:54

Was machen wir bei einem Notfall?

9:00

Es ist wichtig,

9:03

dass wir bei einem Notfall vorbereitet sind,

9:06

damit keine Spitaleinweisungen, oder

9:09

nicht gewünschte Spitaleinweisungen nötig werden.

9:16

Wir müssen alle am selben Strick gehen, und dann ist es gut, wenn wir alle

9:22

das selbe wissen.

9:26

Es wird alles in einem Betreuungsplan

9:29

aufgeschrieben.

9:32

Davon sieht die erste

9:33

Seite so aus. In etwa.

9:36

Er ist schon wieder revidiert worden,

9:38

und es hat noch zwei Seiten zusätzlich.

9:43

Die wichtigen

9:44

administrativen Daten sind erfasst.

9:48

Dann ist der behandelnde Arzt,

9:52

ob der Hausarzt

9:53

oder ein Spezialist,

9:57

die Onkologie, ein Onkologiespezialist,

10:00

aufgeschrieben.

10:02

Es sind wichtige Adressen von Bezugspersonen, von Pflegenden,

10:08

von

10:10

von der Seelsorge, wenn es gewünscht wird und von den freiwilligen Nachtwachen

10:16

geschrieben.

10:17

Und dann kann man noch weitere.

10:19

Dieses Formular kann man auch auf dem PC ausfüllen,

10:22

dann hat man so viele Linien wie man braucht.

10:27

Auf

10:27

der zweiten Seite ist

10:29

für mich ganz wichtig.

10:31

Möchte der schwer kranke Mensch,

10:34

wenn er in den Spital muss,

10:36

über den Notfall,

10:37

was viele nicht wollen, oder möchte

10:41

er in einer Krise, die nicht behandelbar ist zu Hause,

10:46

der schwer kranke Mensch zum Beispiel auf die Palliativstation.

10:53

Ja.

10:54

Es sind Diagnosen, Allergien sind aufgeschrieben,

10:58

und dann folgt ein ganz wichtiger Teil

11:00

für mich als freiberufliche Pflegefachfrau,

11:03

wo der Hausarzt

11:05

die Verordnung macht zu allen belastenden Symptomen,

11:10

die der schwer Kranke

11:13

als belastend empfindet.

11:17

Atemnot, Depression,

11:23

Rasselatmung weniger, Ernährung ist noch ganz wichtig,

11:28

möchte die Personen künstlich ernährt werden,

11:32

oder sonst

11:33

lehnt sie es ab. Oder möchte sie Infusion oder lehnt sie es ab.

11:40

Und dann immer

11:42

eine

11:43

Reserve

11:44

geschrieben

11:45

und eine 2. und meistens sogar eine 3.

11:51

von Medikamenten.

11:53

Dann

11:53

die nächste Seite

11:56

sind wieder die belastenden Symptome.

12:02

Da wird alles ausgefüllt, das hat dann relativ

12:06

ein beschriebenes Blatt.

12:09

Ich muss auch nicht sein, dass das dann gebraucht wird, aber wenn es steht

12:15

und

12:16

die Medikamente dann vor Ort sind,

12:19

kann man in Krisen

12:21

oder im Notfall

12:23

mit der Behandlung beginnen.

12:27

Das letzte Blatt ist ebenfalls wichtig.

12:30

Die

12:32

gesagten angaben,

12:35

ob eine Person noch Antibiotika möchte oder Bluttransfusionen,

12:40

die kann man fragen, die muss man aber nicht unbedingt beantworten.

12:46

Man klärt auch da,

12:50

dass Antibiotika hilfreich sein kann bei einem Harnwegsinfektionen Beispiel,

12:56

dann schreibt man ja symptomatisch.

13:01

Und,

13:02

wenn auch überall ’nein‘ geschrieben wäre und

13:06

der Patient oder der schwer kranke Mensch

13:09

sagt, jetzt will ich das doch, dann wird es so gemacht.

13:15

Wichtig ist dann wird das

13:17

Datum, die Unterschriften

13:20

darunter gesetzt.

13:21

Es wird nochmals besprochen, wenn das ganze immer einem geschrieben ist,

13:27

und

13:28

mit den Angehörigen, also alle unterschreiben.

13:33

Dies ist eine Verordnung und gilt dann auch im Notfall,

13:38

wenn ein Notfallarzt kommen müsste oder wenn die

13:41

Person an einen anderen Ort gehen würde.

13:47

Das Original ist immer gekennzeichnet mit ‚Original‘ und bleibt immer dort,

13:52

wo der schwer kranke Mensch ist.

13:59

Das noch einmal zusammenfassend.

14:02

Es ist wichtig, dass die Daten einmal festgehalten sind.

14:06

Und

14:08

auch die Wünsche, Sorgen, Ängste und Hoffnungen besprochen sind.

14:13

Sehr oft ich dann

14:15

eine Patientenverfügung vorhanden, und dort steht

14:19

mehr oder weniger ausführlich

14:23

Sorgen und Ängste vor allem.

14:26

Es kann sich auch ändern, und dann wird der behandlungsplan angepasst.

14:35

Wie gesagt die Notfallmedikamente müssen immer vor Ort sein.

14:40

Ich habe einen Hausarzt, der arbeitet sehr viel mit mir zusammen,

14:44

der macht immer so eine Schachtel bereit, mit allem, was gebraucht werden könnte.

14:51

Ob wir es dann brauchen,

14:55

stellt sich dann später heraus.

14:57

Aber wenn es nicht bereit ist,

15:00

wenn es Wochenende ist, oder der Arzt in den Ferien,

15:04

dann haben wir ein Problem.

15:08

Ja, wer mehr wissen will,

15:11

seit 11 Jahren gibt es im Kanton Solothurn einen Palliativverein,

15:17

und der

15:19

hat hochgeschaltet,

15:22

wenn Sie etwas nachlesen möchten.

15:28

Ja.

15:29

Die letzte Lebensphase.

15:32

Das Ziel muss realistisch sein.

15:36

Der Weg dazu muss sorgfältig vorbereitet werden.

15:40

Die letzte Lebensphase kann eine Extremsituation bedeuten,

15:46

muss aber nicht.

15:49

Die erfolgreiche Betreuung bedeutet immer Teamarbeit,

15:53

Arzt, Pflege, Seelsorger, Therapeuten, An- und Zugehörigen.

15:59

Die wichtigste Hauptperson ist der schwer kranke Mensch,

16:06

der lehr uns viel.

16:09

Immer wieder.

16:13

Es ist hilfreich, wenn sich alle dessen bewusst sind,

16:18

dass wir mit Respekt und Wertschätzung einander gegenübertreten.

16:27

Jetzt, die Begleitung der Angehörigen.

16:33

Zuhören, nachfragen,

16:36

ist

16:37

sehr oft

16:38

bei schwer kranken unheilbaren Menschen

16:43

nötig, wenn die Diagnose zum Beispiel

16:46

Demenz

16:49

oder Parkinson, lang andauernde Krankheiten sind,

16:55

die nicht geheilt werden können.

16:57

Natürlich hört man auch bei den anderen zu,

17:00

aber bei den

17:02

kranken Leute, und manchmal sind sie sehr, sehr alt,

17:07

beginnt die Begleitung viel früher.

17:12

Hoffentlich.

17:16

Die Angehörigen müssen vorbereitet sein, was kommen kann.

17:21

Einen Teil macht der Arzt, einen Teil kann ich

17:25

übernehmen.

17:27

In der terminalen Phase, also in der Sterbephase müssen die Angehörigen wissen,

17:33

dass

17:34

kranke Mensch, der sterbende Mensch, nicht verhungert und nicht verdurstet.

17:40

Sie müssen vorbereitet werden,

17:43

dass unkontrollierte Urin oder Stuhlabgang möglich ist.

17:50

Das Todesrasseln,

17:52

das möglich wird in den letzten Tagen,

17:56

darauf müssen die Angehörigen ganz gut vorbereitet werden,

18:00

denn das ist sehr schwer zu ertragen, weil das tönt

18:06

laut,

18:08

es ist schwierig für Angehörige,

18:12

es ist aber viel

18:13

weniger schwierig für die Sterbenden und kein Zeichen von Atemnot.

18:19

Auch wenn die Menschen in der allerletzten Lebensphase mit

18:24

der Hilfsmuskulatur atmen und es so

18:27

nach Machtkampf aussieht, es ist kein Kampf,

18:30

es ist eine Reaktion des Körpers

18:34

um

18:34

Atem zu schöpfen,

18:36

weil das Atemzentrum ist ihm verlängerten Mark und arbeitet selbstständig.

18:44

Die Angehörigen, die möchten, die lerne ich,

18:48

oder andere, Medikamente via Butterfly zu verabreichen.

18:53

Das heisst es ist eine kleine Nadel

18:55

in der Haut,

18:58

und die wird geklebt, das zeige ich ihnen nachher noch,

19:02

ist gar kein grosser Aufwand,

19:05

und dort können Angehörige und manchmal sogar Patienten selber

19:10

die Medikamente spritzen.

19:15

Der grösste Dienst, was die Angehörigen tun können, ist die Mundpflege.

19:21

Da komm ich auch nachher noch dazu.

19:24

Und ganz wichtig ist, dass ich

19:26

24 Stunden telefonisch erreichbar bin und auch Einsätze leisten kann in Krisen.

19:36

Zum wichtigen Thema Mundpflege.

19:40

Schokolade ist da leider schon weggegessen.

19:43

Ich habe dort,

19:44

das sind so einfache

19:46

kleine Fächlein. Die kann man füllen mit Zitronensaft. In der Mitte habe

19:53

ich ein Stück Erdbeere mit Wasser und Orangensaft.

19:57

Das kann man einfrieren.

19:59

Und die Menschen haben das manchmal noch ganz gerne zum ein bisschen

20:03

den Mund befeuchten und kühlen und einen anderen Geschmack zu bekommen,

20:09

zum Lutschen geben.

20:12

Unten habe ich Gaze.

20:15

Da kann man Mandarinenschnitze, Orangenschnitze,

20:18

eine saftige Birne,

20:20

kann man hineinlegen,

20:22

die Gaze zudrehen und

20:25

die Gaze an die Lippen führen, oder so,

20:28

wenn die Menschen das schmecken

20:30

oder riechen,

20:33

vor allem bei dementen Menschen,

20:35

ist das sehr beliebt,

20:38

dann kauen sie darauf herum und müssen

20:42

dann die Haut oder das, was sie nicht wollen, nicht schlucken.

20:47

Weil vielfach ist die Gefahr, wenn sie im Bett liegen,

20:51

wegen

20:53

Verschlucken, wegen Aspiration.

20:58

Bleiben wir immer noch bei der Mundpflege.

21:01

Die Schaumstoff-Wattestäbchen

21:04

haben viele Leute gerne.

21:07

Sie sehen nicht appetitlich auch,

21:09

aber dafür kann man diese in Flüssigkeit tunken,

21:13

die die schwerkranken Menschen gerne haben,

21:17

und die nehmen auch nicht so viel Flüssigkeit auf,

21:20

dann kann man das anbieten oder den Mund auswaschen, also aus ausreiben.

21:27

Viele Leute haben es gern.

21:29

Es gibt solche, die haben es nicht gern, dann lässt man das weg.

21:33

Dann gibt es den Spray.

21:35

Ich habe jetzt da eine Glasflasche, leider von oben,

21:38

da ist ein ganz feiner Zerstäuber,

21:42

und das Wasser, ich nehme sehr oft Wasser,

21:45

kann man in die Mundhöhle spritzen.

21:48

Die schwer kranken Menschen, die leiden

21:52

unter trockenen Mund und trockener Schleimhaut.

21:56

Und

21:57

so kann man die Schleimhaut befeuchten ohne dass

22:02

man Gefahr läuft, dass sie viel schlucken müssen.

22:05

Ein Stoss gibt 1-2 Tropfen Wasser.

22:09

(xx)

22:11

Wenn die Menschen noch trinken können,

22:15

kann man ihnen das Getränk mit dem Röhrchen anbieten.

22:18

Man kann auch die Röhrchen abschneiden,

22:21

wenn sie nicht mehr so viel Kraft haben.

22:24

Und

22:26

dann gibt es noch Schnabelbecher, PET-Flaschen,

22:29

ja einfach so wie

22:31

der Mensch trinken möchte, darf er.

22:36

Manchmal, auch wieder bei schwer dementen Menschen, kann man

22:41

das Röhrchen nehmen und mit dem Daumen

22:44

zuhalten, in die Flüssigkeit tunken und an

22:48

den Lippen loslassen, dann kommen auch 1-2 Tropfen Flüssigkeit.

22:55

Hier

22:57

ein Butterfly,

22:58

der ist unter dem Schlüsselbein gelegt,

23:02

(xx)

23:04

Bauch oder Oberschenkel,

23:05

überall dort wo man auch Insulin spritzen kann.

23:12

Dazu brauche ich

23:14

sehr sehr wenig

23:16

Material. Einen Alkoholtupfer,

23:18

einen Butterfly, einen Tupfer

23:20

für unter die grünen Flügelchen, ein durchsichtiges Pflaster,

23:24

und

23:28

nichts mehr.

23:32

Die Medikamente.

23:34

Wenn es nur ein Medikament ist,

23:36

dann

23:37

ziehe ich das auf,

23:39

setze das mit der Nadel in einem Becher bereit.

23:42

Wenn die Angehörigen das spritzen wollen, ist es schon aufgezogen.

23:47

Es gibt auch Angehörige, die ziehen selber das Medikament auf.

23:51

Und wenn manchmal 2-3 Medikamente

23:57

gespritzt werden müssen,

23:58

dann lege ich auch zwei oder drei Butterflys und schreibe oder hänge die leere Ampulle

24:04

an die Spritze.

24:13

Jetzt zum Ablauf nach einer Anfrage.

24:17

Manchmal bekomme ich telefonisch eine Anfrage,

24:21

manchmal per Mail, manchmal vom Hausarzt, manchmal von Angehörigen,

24:27

manchmal, seltener,

24:29

von der Palliativstation, aber immer wieder von der Rehabilitations- Station.

24:35

Ja, das Kennenlernen der schwerkranken Personen

24:38

und der Angehörigen geschieht am Ort,

24:41

wo er ist.

24:46

Dann wird schon besprochen,

24:48

wie ist das Betreuungsnetz bereits? Funktioniert etwas,

24:53

wie könnte die Zusammenarbeit aussehen?

24:56

Und

24:57

wenn das

24:59

die schwer kranken Menschen und die An- und Zugehörigen wünschen,

25:04

dann kann ich eine Beziehung aufbauen und

25:09

nicht, also

25:10

es gibt Situationen, da kenne ich vielleicht

25:14

die schwer kranken Menschen eine Woche.

25:16

Aber sehr oft kenn ich die schwer kranken Menschen

25:19

vorher.

25:21

Bei einer schweren Demenz oder bei Parkinson,

25:25

wo die Angehörigen überfordert sind und Hilfe brauchen.

25:29

Manchmal lehnt die Spitex solche

25:32

Aufträge ab, weil sie die Kapazität nicht haben oder nicht

25:37

24 Stunden erreichbar sein können.

25:42

Ich organisiere Hilfsmittel,

25:44

manchmal auch die Angehörigen. Wir teilen uns die Arbeiten.

25:50

Die Alltagsorganisationen muss geklärt sein und eine Wochenstruktur.

25:57

Bei längerer

25:58

Krankheit ist das wichtig.

26:01

Dann folgt das Rundtischgespräch mit dem Hausarzt und den Beteiligten.

26:07

Der Hausarzt geht

26:08

nicht ins Spital.

26:11

Und der Hausarzt

26:13

geht nicht in die Rehabilitationshäuser.

26:16

Weil dort haben sie die Ärzte, die

26:21

die Gespräche leiten, und der Hausarzt ist der Hausarzt.

26:27

In meinen 11 Jahren Freiberuflichkeit habe ich noch nie erlebt,

26:30

dass ein Hausarzt zu einem Gespräch gekommen ist

26:34

in einer anderen Institution.

26:40

Dann wird der Betreuungsplan ausgefüllt,

26:46

damit mögliche Krisen verhindert werden können oder rechtzeitig angegangen.

26:51

Und

26:53

wie gesagt der Betreuungsplan ist eine Verordnung.

26:57

Wenn dann trotzdem einmal ein Notfallarzt kommen sollte, oder kommen muss,

27:02

gilt der Betreuungsplan auch für diesen.

27:07

Und die 24-Stunden Erreichbarkeit,

27:09

die hilft sehr oft den Angehörigen und

27:13

gibt Sicherheit.

27:18

Ja, ich werde nicht oft nachts gerufen.

27:23

Meistens sind wir vorbereitet aber nicht immer.

27:28

Wenn der schwer kranke Mensch gestorben ist,

27:31

dann

27:32

muss ich auch die Beziehung wieder beenden.

27:36

Das kann ich nur, wenn ich eine Beziehung aufbauen konnte.

27:42

Ja, wer mehr wissen will,

27:44

hier

27:45

das Handbuch und Christoph Cina, langjährige Präsident von Palliativ Solothurn,

27:51

und Hans Neuenschwander.

27:59

Dann noch zwei ganz schöne Aussagen,

28:03

von Cicely Saunders:

28:05

„Sie sind wichtig, weil Sie eben

28:08

Sie sind. Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig.

28:12

Und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben,

28:17

sondern auch leben können

28:19

bis zuletzt.“

28:22

Ja.

28:24

Und

28:24

„In der Krise,

28:26

in der Krankheit können wir begreifen, was unser Leben wirklich prägt.“

28:35

Ja, wie viel Zeit bleibt mir?

28:39

Gut

28:39

Dann gehen wir zu Fragen.

28:42

Ich hätte sonst noch Beispiele, wenn keine Fragen sind, aber ich geh lieber zu Fragen.

28:53

Also dann lade ich Sie ein, Fragen zu stellen.

28:59

Im Chat sind im Moment noch keine.

29:01

Das dauert immer einen Moment.

29:03

Gibt es Fragen, die Sie jetzt gerade hier im Publikum haben, an Frau Steiner?

29:15

Ja.

29:20

Da fragt jemand, wo ich angestellt bin.

29:22

Ich bin eine freiberufliche Pflegefachfrau.

29:25

Ich arbeite wie die Spitex, bin eine Einzelfirma

29:31

mit dem Schwerpunkt Palliative Care.

29:33

Das heisst, ich kann nicht so viele Aufträge machen.

29:37

Und

29:39

ich habe ich ein Netzwerk, ich bin schon vernetzt mit anderen Berufsgruppen,

29:45

aber angestellt bin ich nicht.

29:48

Ich bin meine Chefin.

29:49

Darum kann ich viele Sachen,

29:52

oder auch Nachtdienst anbieten,

29:55

oder Nachtpikett, der von niemandem

29:59

im Kanton Solothurn bezahlt wird. Schon gar nicht kann der Krankenkasse.

30:03

Aber alles Pflege,

30:06

und das sind drei verschiedene Leistungsgruppen,

30:09

die kann ich genauso abrechnen wie die Spitex.

30:17

Ja.

30:18

Also

30:20

das Erstgespräch kann stattfinden, wo..

30:26

Die Frage war,

30:28

ob Sie zu den Personen nach Hause gehen.

30:32

Entschuldigung, ich muss die Frage wiederholen. Ja, ich gehe immer zu den Leuten nach Hause,

30:36

wenn eine Anfrage kommt,

30:38

und ich habe eine Kollegin seit zwei Jahren, vorher habe ich alles selber

30:43

gemacht,

30:44

weil einfach keine freiberuflichen

30:47

Pflegefachleute mit Schwerpunkt Palliative Care im Kanton Solothurn,

30:52

im unteren Kantonsteil sind.

30:56

Der Kanton hat auch

30:59

uns nicht gerade geholfen.

31:02

Also.

31:07

Die Frage beantwortet?

31:21

Genau.

31:22

Die Frau hat gefragt,

31:24

ob wir jetzt zwei Pflegefachleute sind, die zu den Leuten nach Hause gehen,

31:30

im unteren Kantonsteil.

31:33

Ja.

31:37

Palliative Verein Solothurn ist an der Vernetzung dran. Also es wird,

31:45

es muss,

31:46

und es wird bald eine Vernetzung geben.

31:49

Wie genau weiss man noch nicht, ob die Spitex vielleicht

31:54

diesen Auftrag annimmt. Aber dann muss die öffentlich-rechtliche Spitex

32:00

24 Stunden Betrieb anbieten.

32:03

Weil die schwerkranken Menschen, die sterbenden Menschen, die sind nicht nur bis

32:07

am Abend um acht halb neun krank, und am Morgen erst wieder ab sieben.

32:13

Und die sind nicht am Wochenende gesünder als Montag bis Freitag.

32:18

Und da liegt im Moment das Handicap.

32:21

Die Spitexen würden, ich kenne jetzt einige, die

32:24

würden Pikettdienst anbieten, wenn das der Kanton oder irgendwer bezahlen würde.

32:30

Aber das ist noch nicht so.

32:35

Also das Ziel wäre

32:36

jeder Mensch

32:38

dort

32:39

sterben darf, wo er will.

32:51

Sind weitere Fragen?

32:56

Ich sehe gerade keine.

32:57

Dann würde ich gerne eine stellen. Und zwar, Sie haben

33:02

gesagt, es geht darum ein realistisches Ziel zu haben.

33:05

Also zuerst muss man mal viel Papier kram erledigen,

33:09

mit diesen Formularen. Das kann ja auch bisschen abschreckend sein.

33:14

Wenn ich mir vorstelle ich bin am Sterben,

33:17

es gibt nur noch wenig Zeit,

33:21

dann kommt so ein grosses Formular.

33:26

Das finde ich eine Herausforderung.

33:29

Weshalb ist das Formular wichtig oder was ist wichtig? Was muss da geklärt werden?

33:35

Nein,

33:36

das Formular ist für dich wichtig, dass ich weiss, was ich zu tun habe

33:40

in Krisen, was verordnet ist.

33:43

Das Formular füllt sehr oft der Hausarzt aus.

33:46

Es sind noch nicht alle Hausärzte, die mit dem Betreuungsplan arbeiten.

33:52

Es gibt auch die Palliativstation, es ist schon viel vorbereitet.

33:57

Es muss aber besprochen werden.

34:00

Und manchmal,

34:02

eine halbe Stunde, vielleicht dreiviertel Stunden.

34:06

Und wenn der Mensch schon schwer krank also schon

34:10

sterbend ist, wird das Formular nicht mehr so sein.

34:14

Dann habe ich die Verordnung vom Arzt oder vom Spital.

34:20

Also es ist nicht Pflicht.

34:23

Dankeschön.

34:25

Da kommen noch mehrere Fragen hinzu.

34:29

Hoffe ich.

35:00

Die Frage ist:

35:02

die schwer kranke Person ist ein bisschen verloren gegangen im Vortrag,

35:07

und

35:08

das ist zu viel Bürokratie.

35:11

Das stimmt.

35:13

Es ist so. In den Gesprächen,

35:17

die laufen

35:18

so verschieden wie die Menschen sind.

35:21

Es gibt Leute, die reden, sofort.

35:24

Die sagen, das will ich, ich will zu Hause sein, ich will einmal mit den Füssen

35:31

vorne weg zum Haus, (ich will das).

35:35

und dann geht es darum, ist es realistisch?

35:38

Können wir das tun?

35:41

Ich kann Morgen Mittag Abend helfen,

35:44

die Spitex kann ich organisieren,

35:46

das Betreuungsnetz kann aufgebaut werden,

35:51

und es ist,

35:54

ich weiss, es klingt immer alles so theoretisch, man muss auf viele

35:59

Faktoren aufpassen, aber das Zuhören ist ganz

36:04

wichtig, auch das Zuhören

36:06

den Angehörigen,

36:08

der Angehörigen.

36:10

Und wenn

36:13

zum Beispiel

36:15

eine Ehefrau, eine Tochter, oder Nachbarn, wie alle

36:22

da sind, bereit sind, vielleicht die Spitex schon den Haushalt führt,

36:26

ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass der Patient zu Hause sterben darf.

36:32

Ich habe aber auch einmal einen

36:35

91-jährigen Mann,

36:37

der hatte niemanden, begleitet zuhause, der hatte nur zwei Katzen.

36:45

Dort

36:46

hat die Spitex dann abgelehnt als der Mann vom Spital zurückkam.

36:51

Weil ich musste vier Mal

36:54

den Blutzucker machen und Insulin nachspritzen.

36:58

Das wurde ich so vom Spital verordnet.

37:01

Nach dem Gespräch durfte ich, er hatte einen Sohn, aber der

37:06

Sohn hatte sich nicht beteiligt

37:08

an der Pflege und so.

37:11

Den Hausarzt dann

37:13

habe ich

37:14

fragen müssen, ob wir vielleicht auch Nachspritz-Schema bei dem

37:19

91-jährigen schwer kranken Menschen, der noch

37:23

2-3 Monate zu leben hatte,

37:27

also haben

37:29

sie gesagt, er hat dann zwei Jahre gelebt,

37:32

mit dem riesen Tumor im Bauch, und

37:37

wenn,

37:38

das habe ich ein bisschen

37:39

wie soll ich sagen

37:41

spüren müssen, er hat dann eine Betreuerin bekommen,

37:46

die ist dann am Morgen und Mittag gegangen,

37:48

hat danach den Haushalt gemacht,

37:51

die musste

37:52

privat bezahlt werden.

37:55

Dann hatte ich eine Ferien Vertretung und sonst habe ich die Pflege übernommen.

37:59

Die Betreuerin habe ich angelehrt.

38:03

Blutzucker messen, in Krisen hat sie mir immer telefonieren oder

38:07

schreiben können per geschützte Mailadresse. Und

38:11

der Mann war so zufrieden.

38:14

Und Mahlzeitendienst wurde noch organisiert.

38:20

Er war froh zufrieden zu Hause auf dem Sofa.

38:24

Ich seh ihn da heute noch. Links und rechts eine Katze,

38:27

Fernseher.

38:31

Ja.

38:38

Wie lange ich bei den Patienten bleibe?

38:41

Ich bleibe,

38:42

es ist so,

38:43

ich muss ja eine Bedarfsabklärung

38:45

machen,

38:47

ich muss eine pflegerische Arztverordnung schreiben,

38:51

und der Hausarzt oder der Arzt oder wer auch immer

38:55

der muss mir das unterschreiben.

38:57

Und dann gibt es wieder die Tarife wie bei der Spitex.

39:01

Und

39:02

am Anfang geh ich relativ hoch hinein.

39:07

Also dann sag ich mal okay, ich brauche eine Stunde am Morgen,

39:11

und eine am Abend. Kommt immer so darauf an. Und

39:17

dann wird das ihnen die Pflegeverordnung geschrieben, was muss ich tun.

39:23

Das können zwei Stunden sein, das kann den zweieinhalb Stunden sein.

39:27

Aber es können nicht fünf Stunden sein.

39:32

Es kann auch drei Mal eine Viertelstunde sein,

39:35

das was benötigt wird.

39:43

Ob ich mehrmals täglich zum Patienten geben. Wenn es nötig ist,

39:47

wenn doch Betreuungsnetz noch repariert werden,

39:51

kann ich zwei drei Mal im Tag gehen.

39:59

Richtig.

40:11

Die Frage ist:

40:12

dann komm ich

40:14

drei oder vier Mal eine Viertelstunde zu dem Patienten, der im Sterben liegt.

40:20

Dieser Mensch stirbt nicht alleine, er hat ein Betreuungsnetz.

40:24

Sonst würde ich

40:26

längere Zeit brauchen oder jemanden dazunehmen.

40:30

Meine Aufgabe ist

40:33

dann manchmal die Koordinatorische.

40:37

Oder ich lerne die Angehörigen an.

40:41

Wenn es hat.

40:44

Wissen Sie,

40:45

es ist wirklich jede

40:48

Situation anders.

40:52

Ich nehme keinen Auftrag an,

40:55

den ich nicht

40:58

gut erledigen kann.

40:59

Das heisst, es gibt manchmal, wenn ich keine Kapazität habe,

41:04

mit meiner Kollegin zusammen,

41:06

dass ich sage, okay, ich

41:08

gebe ihnen Tipps,

41:10

oder ich

41:11

kann Adressen oder irgendetwas weitergeben, aber dann kann ich es nicht tun.

41:18

Weil ich eine Person bin und meine Kollegin die andere.

41:24

Und in dieser Vernetzung ist das Problem, im

41:27

Kanton Solothurn noch, dass es viel zu wenige Pflegekräfte hat,

41:32

die so arbeiten oder arbeiten wollen, und dass die Spitex noch nicht bereit ist.

41:39

Ich arbeite immer wieder auch mit Privat-Spitexorganisationen zusammen,

41:45

mit Spitex für Stadt und Land zum Beispiel,

41:50

Darum ist das Gespräch ganz wichtig,

41:53

um

41:54

das Betreuungsnetz aufzubauen, dass es nicht bricht.

41:59

Oder möglichst nicht bricht.

42:01

Und die Angehörigen

42:04

versuchen zu entlasten.

42:06

Wenn eine demenzkranke schwerkranke Person am Sterben ist,

42:11

sind meistens die Angehörigen schon weit über ihrem Limit an Kräften.

42:19

Und dort

42:20

zu schauen, dass diese entlastet werden, damit die das aushalten,

42:25

und sich dann später kein schlechtes Gewittern machen,

42:29

wenn die Person dann doch nicht zu Hause sterben könnte.

42:33

Das ist die Herausforderung.

42:53

Nein.

42:54

Also die Frage ist: ist der Patient, wenn die Sterbephase länger dauert,

42:59

die Sterbephase kann Tage dauern, das ist richtig,

43:03

vielleicht mal zwei Wochen,

43:05

und ob dann immer jemand dort ist, oder ob die Person dann alleine ist.

43:12

Das wird besprochen.

43:15

Das wird besprochen und

43:17

viele Menschen

43:18

sagen, es macht mir nichts,

43:20

ich bleibe alleine zu Hause.

43:22

Viele Leute haben eine Notrufuhr,

43:26

die drücken dann auch die Notrufuhr,

43:29

die haben nicht die Angst, die wollen viel lieber zu Hause sein.

43:41

Dass ständig jemand um die Personen herum ist,

43:44

wird

43:45

selten verlangt.

43:48

Ich habe vor zehn Jahren das Beispiel vor zehn Jahren eine Frau betreut,

43:53

die hat den Arm

43:55

gebrochen,

43:58

die Hüfte geprellt,

44:00

war

44:01

95 Jahre alt, alleine zu Hause.

44:06

Die Frau hat von Anfang an gesagt, die war dement,

44:10

schwer dement auf dem Papier, aber sie hat mir gesagt: ich bleibe zu Hause.

44:16

Und ich habe keine Angst, dass sich stürzen könnte, weil stürzen kann man im Altersheim,

44:21

man kann im Spital stürzen, kann man dort genauso gut oder noch mehr,

44:26

weil man das WC nicht findet

44:27

zum Beispiel.

44:28

Sie habe keine Angst. Die Frau hatte

44:31

Synkopen, die hatte Bewusstseinsverluste,

44:34

die hat das gespürt,

44:36

und ist dann auf ihr Sofa gelegen.

44:39

Man hat sie hingelegt und hat dann

44:43

vor dem Tod, also sie ist immer mehr

44:45

nur

44:48

zum Essen gegangen,

44:49

also das war ein ganzes Betreuungsnetz,

44:53

das wir organisiert haben, aber die Frau war ganz allein in dem Haus.

44:57

Und sie ist bis

44:59

12 Stunden vor ihrem Tod zu Hause geblieben.

45:03

Sie hat dann einen schweren Herzinfarkt

45:06

gemacht,

45:07

hat dann die Notrufuhr gedrückt,

45:10

was man

45:11

eigentlich

45:12

nicht erwartet hat,

45:14

wurde dann

45:14

mit der Ambulanz abgeholt ins Spital,

45:18

und weil dort die Patientenverfügung geschrieben war,

45:21

die Angehörigen,

45:24

eine Tochter in Freiburg,

45:26

in Fribourg, eine Tochter in Basel,

45:30

die hat dann

45:32

nicht über den Notfall in das Spital gemusst,

45:36

sondern hat er auf einer medizinischen Abteilung Abschied nehmen dürfen?

45:41

12 Stunden später ist sie verstorben.

45:45

Aber sie war bis

45:47

vorher zu Hause.

45:50

Wissen Sie man kann das nicht, ich kann das nicht garantieren, dass es funktioniert.

45:55

Die Frau hat im Spital, wo sie gelegen ist, mit dem Armbruch,

46:00

hat sie einen Hungerstreik begonnen.

46:03

Und gesagt:

46:05

Ich geh nach Hause, die Frau war dement,

46:07

aber wusste, was sie wollte.

46:11

Und

46:13

solche Gespräche,

46:15

sage ich immer,

46:18

die muss ich versuchen zu unterstützen.

46:21

Weil die Spitex hat auch dort abgelehnt.

46:27

Die Frau hat gesagt,

46:28

wenn ich stürze, dann stürz ich.

46:34

Auch die Töchter waren dann einverstanden, die wollten den Willen ihrer Mutter

46:39

ihr erlauben.

46:56

Meinen Sie in der Zeit oder pro Tag?

47:00

Die Frage ist: wie lange kann eine Betreuung dauern?

47:05

Die Betreuung und die Pflege dauern so lange wie sie dauern.

47:11

Das heisst, ja

47:13

genau, das heisst viele Menschen, die sind unheilbar krank.

47:18

Wenn jemand eine Diagnose hat, in zwei bis vier Monaten

47:23

stirbst du,

47:28

es kann sein, dass er wie der alte Mann, dass er zwei Jahre lebt, dann geht es zwei Jahre.

47:35

Im Durchschnitt,

47:37

es gibt

47:38

einen ganz lieben Bekannten habe ich begleitet, da habe ich drei Tage begleitet.

47:44

Aber dann habe ich so gut gekannt vorher schon.

47:47

Im Durchschnitt sind es unter einem Jahr.

47:51

Weit unter einem Jahr.

47:58

Wenn ich das jetzt wichtig verstanden habe, ist es eigentlich Palliative Care.

48:04

Das heisst, sie kommen ins Spiel, wenn Menschen unheilbar krank sind,

48:09

wenn sie wissen,

48:11

dass ihr ihr Leben endlich ist,

48:13

aufgrund auch dieser Krankheit.

48:16

Aber sehr selten erst in der letzten Phase, in der Sterbephase.

48:21

Es gibt es gibt Situationen,

48:25

da

48:27

kenn ich die Menschen nicht so gut,

48:29

und darum bin ich dann auf den Betreuungsplan doppelt angewiesen. Aber

48:34

bei schwer dementen Menschen, Leuten mit Parkinson,

48:37

da muss ich zuerst eine Beziehung aufbauen, dass dich mich,

48:42

wie soll ich fragen, nicht mögen,

48:44

aber dass sie mir vertrauen.

48:51

Dankeschön. Dann habe ich noch eine Frage

48:54

aus dem Chat.

48:56

Die Frage lautet:

48:58

Gibt es Stellen für Fachkräfte und Helfende?

49:01

Also ist jemand, der Menschen oder die Menschen kennt,

49:04

die gerne in diesem Bereich arbeiten würden, Palliative

49:08

Care oder Sterbebegleitung.

49:11

Sie haben vorhin gesagt,

49:13

es gibt

49:14

gar nicht so viele Möglichkeiten. Wie sieht das aus?

49:17

Ja,

49:19

ich würde auch wieder über den Verein www.palliative-so.ch,

49:22

über Manuel Jungi,

49:27

dort wird

49:29

Brückenangebot aufgebaut. Und

49:35

ich denke

49:36

die Kirchen, die haben das schon gelöst.

49:40

Die Kirchen haben

49:43

(xx) oder hoch

49:46

ausgebildete Palliative-Fachkräfte, die kommen zu

49:51

den Leuten nach Hause. Ist auch auf der Webseite www.palliative-so.ch,

49:56

und

49:57

das Ziel ist

50:00

gut ausgebildetes Personal zu finden, die

50:05

die Arbeit tun.

50:07

Es gibt auch gut ausgebildetes

50:09

Personal bei der öffentlich-rechtlichen Spitex,

50:14

die aber den Auftrag noch nicht erfüllen können wegen den Strukturen.

50:20

Hier schliesst sich gleich eine weitere Frage an, nämlich die Frage,

50:25

ob es korrekt ist,

50:26

dass sich diese Form der Unterstützung nur Menschen

50:30

oder dass das nur Menschen zur Verfügung steht,

50:32

die das auch selber finanziell

50:35

bezahlen können.

50:37

Nein, ich werde von den Krankenkassen bezahlt, genau wie die Spitex.

50:42

Alle meine Leistungen werden bezahlt.

50:45

Den Pikettdienst mache ich gratis seit 11 Jahren.

50:49

Das ist mir aber egal, weil ich bin meine Chefin.

50:53

Es können sich alle leisten,

50:56

weil der

50:58

Kanton muss die Restkosten übernehmen, das ist

51:03

gesetzlich jetzt vorgeschrieben seit 2019.

51:06

Da haben wir vor Gericht erkämpft, dass das geschieht.

51:11

Der Patient muss im Tag maximum 15,35 Franken

51:16

bezahlen, wie bei der öffentlich-rechtlichen Spitex,

51:20

das ist die Patientenbeteiligung.

51:22

Der ganze Rest wird er von der Krankenkasse bezahlt.

51:27

Und ist es korrekt, dass das auch von Kanton zu Kanton wieder verschieden ist?

51:31

Von Gemeinde zu Gemeinde.

51:34

Also ob

51:36

das korrekt ist, kann ich leider nicht beantworten, aber ich hoffe sehr,

51:41

dass der Kanton, weil mit den Betreuungsplan ist

51:44

der Kanton Solothurn so schnell so weit gekommen, und

51:48

es ist einfach

51:51

gesetzlich noch nicht geregelt

51:54

vom Kanton.

51:56

Dankeschön.

52:01

Gibt es noch weitere Fragen von Ihrer Seite?

52:06

Hier in Olten?

52:12

Ich hätte noch…

52:14

war da ein Zeichen?

52:17

Nein. Dann hätte ich noch eine

52:20

vielleicht abschliessende Frage.

52:23

Wenn ich jetzt über mein eigenes Sterben nachdenke,

52:27

wann sollte ich mich dann um Sterbebegleitung kümmern,

52:30

oder in welchen Fällen ist das angezeigt?

52:34

Kann ich nicht einfach auch

52:36

für mich selber sterben oder

52:40

wann kommt der Sterbebegleitung ins Spiel?

52:43

Sie können für sich selber sterben. Das habe ich eigentlich auch vor. Aber wie es kommt,

52:49

so kommt es.

52:51

Vielleicht kann ich das dann nicht bestimmen.

52:54

Dann habe ich eine Patientenverfügung und habe dort

52:58

meine Vertretungsberechtigten Personen geschrieben.

53:01

Die vertreten mich,

53:03

und meine Interessen, wenn ich es nicht kann.

53:06

Und wenn sie das geschrieben haben, das gibt einem so viel Sicherheit,

53:11

weil die wissen, was ich will und was ich nicht will.

53:18

Also das heisst, man sollte sich auch

53:21

man um diese Vorstellungen frühzeitig kümmern.

53:24

Ganz genau, frühzeitig krümmen. Und mit den Liebsten,

53:28

mit den nächsten Angehörigen,

53:31

die manchmal auch ein bisschen Ellbogen brauchen,

53:34

wenn jemand im Spital den Bericht bekommt,

53:38

die können nicht mehr nach Hause, jetzt müssen sie in einem Ferienbett oder in ein Altersheim,

53:43

die müssen mich dann vertreten, wenn ich nicht kann.

53:47

Und so viel vertrauen muss ich in meine

53:51

vertretungsberechtigten Personen haben, dass sie das machen.

53:55

Aber es ist

53:56

wirklich

53:57

für.. man muss die aussuchen. So.

54:01

Eine kluge Wahl,

54:03

wer meine Interessen dann vertreten sollen. Ganz genau, eine Wahl

54:07

und das unbedingt mit den Personen besprechen,

54:10

ob sie das auch wollen und ob sie sich das zutrauen.

54:15

Es ist nicht immer ganz einfach, aber

54:18

sie sehen, es braucht zum Sterben zu Hause keine Apparate,

54:23

keine (x), klar

54:26

Dauerinfusion und so,

54:29

es ist alles machbar mit dem Butterfly.

54:45

Doch sie hätte zu Hause bleiben können,

54:48

aber dies war vor zehn Jahren.. Entschuldigung die Frage wiederholen.

54:53

Ob die Frau, die dann den Notfallknopf gedrückt hat,

54:58

als sie den Herzinfarkt erlitten hatte, das war vier Uhr morgens,

55:03

ob die nicht zu Hause hätte bleiben können.

55:06

Sie haben Recht, sie hätte können.

55:09

Aber das Problem war erstens, da hatte ich noch keine Medikamente,

55:13

weil die Hausärztin hat noch nicht mit den Betreuungsplan gearbeitet und wir,

55:20

wie soll ich sagen, ich habe das auch nicht voraussehen können.

55:25

Aber heute bin ich sehr viel weiter,

55:28

ich habe von allen Menschen, die begleitet habe, sehr viel gelernt,

55:32

heute bestehe ich darauf, dass ich die Medikamente habe. Weil was hat sie bekommen?

55:38

Hoch dosiert Morphin.

55:41

Gegen die Schmerzen? Die hatte so heftige Schmerzen, dass die gedrückt hat.

55:45

Die hätte nie gedrückt, die wäre nie freiwillig ins Spital,

55:48

wenn das nicht so gekommen wäre.

55:52

Was sie vorgesorgt hat,

55:53

ist wirklich mit der Patientenverfügung und es wurde alles vorher besprochen.

55:57

Aber die Medikamente hatte ich nicht vor Ort, ich hatte auch kein Rezept,

56:02

hätte auch nichts genützt

56:03

Morgen um vier Uhr.

56:06

Die Frau hat eingewilligt.

56:08

Also sie hat gesagt,

56:09

ich will

56:10

ich muss ins Spital, ich kann nicht mehr.

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Sie ist dann weggedriftet. Also sie ist noch im Krankenwagen, wie sie dann berichtet haben,

56:21

gar nicht mehr bei Bewusstsein gewesen.

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Ja.

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Jetzt steige ich da nochmals rauf.

56:41

Vielen herzlichen Dank Gabriela Steiner für

56:44

diese Ausführungen. Vielen herzlichen Dank,

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dass Sie gekommen sind.

56:48

Ob jetzt in Zoom oder hier vor Ort in Olten.

56:53

Wir freuen uns, wenn Sie auch das nächste Mal wieder dabei sind.

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Das nächste Mal geht es dann ums Thema Kunsttherapie im Zusammenhang mit Sterben.

57:02

Und jetzt habe ich prompt den Namen vergessen. Ich glaube Esther Widmer.

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Also wie Sie sehen, bin ich jetzt auch schon ein bisschen durch den Wind.

57:17

Weil es Abend ist, natürlich.

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Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, vielen herzlichen Dank,

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bitte Ihre Rückmeldungen,

57:24

wir sind daran interessiert entweder über Chat noch oder

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bei den Zetteln, die sie auf dem Tisch haben. Und wenn Sie wollen,

57:34

können Sie auch noch Flyer mitnehmen und verteilen.

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Und ich muss irgendetwas Rundes, das man…

57:43

Schaumstoffstäbchen könnten Sie noch mitnehmen,

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genau, und zum Beispiel selber ausprobieren, wie sich das anfühlt.

57:52

In diesem Sinne auf Wiedersehen,

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bis zum nächsten Mal.